Förderbereiche

Bildung und Erziehung

Persönlichkeitsentwicklung statt reiner Wissensvermittlung

Bildung legt das Fundament für die Entwicklung jedes Menschen und ist eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Gesellschaft. Häufig konzentrieren sich Bildungsmaßnahmen jedoch eindimensional auf reine Wissensvermittlung und lassen die Persönlichkeitsentwicklung als essenziellen, übergeordneten Bildungsaspekt außer Acht. Nachhaltige Bildung wird jedoch nur möglich, wenn beides berücksichtigt wird. Ein Schwerpunkt der MAHLE-STIFTUNG liegt daher auf der Förderung ganzheitlicher Bildungsprojekte, die neben der klassischen Wissensvermittlung die Ausbildung praktischer Kompetenzen sowie die Entwicklung der Gefühlswelt, Kreativität und des sozialen Verhaltens mit einbeziehen. Zu den Förderprojekten zählen neben internationalen waldorfpädagogischen Initiativen, Projekte zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendlicher wie auch interkulturelle Bildungsarbeit, Lehrerbildung und die Förderung wissenschaftlicher Studien.

Waldorfpädagogik als nachgefragtes Alternativmodell

Seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 steht das deutsche Schulsystem angesichts der schlechten Ergebnisse der Schüler vermehrt unter Beobachtung. Im Rahmen zahlreicher Reformen wurden schließlich Lehrpläne modifiziert, Ganztagsschulen eingeführt oder die Gymnasialzeit um ein Jahr verkürzt. Lehrkräfte, Eltern und Schüler kritisieren nun jedoch häufig steigenden Leistungs- und Notendruck bei immer weniger Raum für die Förderung von Persönlichkeit, individuellen Talenten und Kreativität. Privatschulen mit alternativen Lernkonzepten werden in Folge dessen immer beliebter. Ihr Anteil hat sich zwischen 1998 und 2012 mehr als verdoppelt.

Eine der bekanntesten nicht-staatlichen Schularten mit einem alternativen pädagogischen Konzept ist die Waldorfschule. Aktuell gibt es in Deutschland rund 230, weltweit sind es mehr als 1.000 Schulen. Die Waldorfpädagogik wurde bereits 1919 von Rudolf Steiner entwickelt und basiert entsprechend Steiners anthroposophischer Weltsicht auf seinem Leitsatz: „Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ Die emotionale Entwicklung, die Ausbildung praktischer Kompetenzen und die Entfaltung des Selbstvertrauens der Schülerinnen und Schüler sind in der Waldorfpädagogik deshalb ebenso bedeutend wie die kognitiven Lerninhalte. Leistungs- und Notendruck sollen möglichst minimiert, individuelle Fähigkeiten und Talente dagegen entdeckt und gefördert werden.

Daneben ist die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen ein wesentliches Element der Waldorfpädagogik. Hierzu gehören – im Rahmen der Möglichkeiten der Schulen – die Förderung finanziell benachteiligter Kinder wie auch die Inklusion körperlich oder geistig eingeschränkter Schülerinnen und Schüler. So gibt es weltweit auch viele Waldorfeinrichtungen mit heil- und sonderpädagogischer Ausrichtung.

Auch in der Erwachsenenbildung, insbesondere in der beruflichen Bildung, finden waldorfpädagogische Grundsätze Anwendung. So basiert etwa, angestoßen durch die anthroposophischen Überzeugungen des dm-Gründers und Gesellschafter der MAHLE-STIFTUNG Götz Werner, die Ausbildung bei den dm-Drogeriemärkten auf diesen Ansätzen.

Förderbeispiele der MAHLE-STIFTUNG im Bereich Bildung und Erziehung 

Eines der vielen Förderprojekte im Bildungsbereich ist die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim. Unter dem Leitgedanken „Tolerantes Miteinander der Kulturen“ lernen hier mehr als 200 Schülerinnen und Schüler aus 17 Nationen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund voneinander und miteinander. Das Lehrerkollegium, das selbst aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen stammt, bindet interkulturelle Themen verstärkt in den Unterricht ein. Integration findet so auf allen Ebenen und im gesamten Lebensraum der Schule statt. Das Erlernen der deutschen Sprache wird im Unterricht durch ein eigenes Fach sowie durch soziale Aktivitäten verschiedener Art gefördert – mit sehr beachtlichem Erfolg. Die Initiatoren der Interkulturellen Bildungs-Initiative Stuttgart – kurz IBIS, die ebenfalls von der Stiftung gefördert wird, nahmen sich daher das Engagement der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim zum Vorbild. Mit ihrer Initiative verfolgen sie in einem sozialen Brennpunktviertel in Stuttgart das Ziel, ein Bildungsprogramm mit interkultureller, sozial-integrativer und berufsbildender Ausrichtung zu etablieren – beginnend bei der Kindertagestätte bis zum Abitur oder der Berufsausbildung.

Ein weiteres Förderbeispiel ist die „Parzival-Schule“ in Karlsruhe: Seit der Schulgründung förderte die MAHLE-STIFTUNG verschiedene Projekte dieser Schule mit waldorfpädagogischem Leitbild, die unter anderem auch diejenigen sozial benachteiligten und oft außergewöhnlich schwierigen Schüler aufnimmt und betreut, die an anderen Bildungseinrichtungen abgewiesen werden. Die Parzival-Schule vereint Sonderschullehre, Bildung für behinderte Menschen und Erziehungshilfe für Kinder und Jugendliche in sozial prekären Lebenssituationen. Lernbehinderte und Schüler mit Erziehungsschwierigkeiten werden gemeinsam unterrichtet und profitieren somit gegenseitig von den unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Mitschüler. Die Parzival-Schule beschäftigt neben Pädagogen zusätzlich Therapeuten zur Betreuung der Schüler. Verschiedene Angebote wie etwa der große Schulbauernhof, Voltigieren oder Musiktherapie werden in den Schulalltag integriert, um auch körperliche und kreative Fähigkeiten zu stärken. 


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